Einleitung

Seit 1700 Jahren sind Jüdinnen und Juden in Deutschland präsent und somit Teil deutscher Geschichte und Gegenwart. Funde mit jüdischen Bildinhalten in Trier und in Mainz sowie ein Trierer Edikt, das zu Zeiten Kaiser Valentinians I. (364-375) erlassen wurde und die Einquartierung von Soldaten in Synagogen verbot, belegen jüdisches Leben seit der Spätantike im heutigen Rheinland-Pfalz.[1]

Mit der Entwicklung der rheinischen Judengemeinden im 10. und 11. Jahrhundert geht die Gründung einer jüdischen Gemeinde in Mainz einher.

Bruchstück einer Bauinschrift, Schlussstein der mittelalterlichen Synagoge an der Mainzer Schusterstraße. Foto: Regionalgeschichte.net

Die erste schriftliche Erwähnung der Wormser Juden geht auf den Mainzer Gelehrten Gerschom ben Jehuda (960-1040) zurück, für Trier belegen Dokumente die Existenz einer jüdischen Gemeinde im Jahr 1066.

Am Ende des 11. Jahrhunderts entstand an der Peripherie der Bischofsstadt Speyer eine erste jüdische Gemeinde, die zu einer der bedeutendsten jüdischen Gemeinden in Mitteleuropa erwuchs und im 12. und frühen 13. Jahrhundert ihre wirtschaftliche und geistige Blütezeit erlebte.

Mit ihrer vor mehr als 950 Jahren gegründeten Tradition gelten Mainz, Speyer und Worms, die so genannten SchUM-Städte, als die Wiege des europäischen Judentums. Das Ziel, die Monumente der SchUM-Stätten 2021 in die UNESCO-Welterbeliste aufnehmen zu lassen, realisierte sich am 27. Juli 2021.

Zum ersten Mal zeichnete die UNESCO damit jüdisches Kulturgut in Deutschland als Welterbe aus. Mit ihrer Anerkennung sind die SchUM-Gemeinden in Speyer, Worms und Mainz die 50. Welterbestätte in Deutschland.

Heute leben geschätzt 225.000 Jüdinnen und Juden in Deutschland, davon etwa 3.600 in Rheinland-Pfalz. Laut der Zentralwohlfahrtstelle der Juden in Deutschland (ZWST) waren 2019 bundesweit rund 95.000 Mitglieder in 104 jüdischen Gemeinden organisiert. Eine große Anzahl der Jüdinnen und Juden in Deutschland ist nach eigenen Angaben nicht religiös.

Viele Menschen haben im Alltag nahezu keine Berührungspunkte mit Jüdinnen und Juden. Dadurch wissen sie wenig über das jüdische Leben der Gegenwart. Über die jungen Menschen, die sich in ihren jüdischen Gemeinden, Bildungseinrichtungen oder Jugendorganisationen engagieren. Denn: Jüdinnen und Juden sind bunt, vielfältig, säkular oder religiös und sie sehen sich nicht ausschließlich im „Schatten des Holocaust“, sondern gestalten aktiv ihre Gegenwart und ihre Zukunft.

Es gibt nicht das eine Judentum. Das Judentum hat viele Gesichter! Ethnisch, kulturell und religiös.

Unsere neue, multimediale Sonderausstellung „Weltlich, gläubig, gegenwärtig: Jüdisches Leben in Rheinland-Pfalz“ lenkt den Blick zurück und nach vorne.

Zurück u.a. in die Geschichte der SchUM-Gemeinden in Speyer, Worms und Mainz, die im Mittelalter Kultur, Religion und Geistesleben des west- und mitteleuropäischen Judentums entscheidend geprägt haben.

In die Gegenwart über Filmporträts, die viele Facetten modernen, jungen Judentums verdeutlichen.

Auch gehen wir einer zentralen Frage unserer Gegenwart nach: Wie konnte es trotz und nach dem Mord an sechs Millionen Jüdinnen und Juden zwischen 1933 und 1945 zum Weiterleben und sogar Wiedererstarken antisemitischer Gedanken und Handlungen kommen?

Im Menüpunkt „Informationen“ erhalten Interessierte, Pädagoginnen und Pädagogen, Schülerinnen und Schüler sowie Studierende vielseitige Informationsmöglichkeiten über jüdische Einrichtungen, Begegnungsprojekte wie „Meet a Jew“ oder zu Kultur- und Bildungseinrichtungen.