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Darstellung der Ausdehnung des osmanischen Reiches im 17. Jahrhundert

Karte des Osmanisches Reiches in seiner größten Ausdehnung am Ende des 17. Jahrhunderts. Quelle: Wikipedia

In immer neuen Eroberungsfeldzügen versuchten die Osmanen im 15. bis 17. Jahrhundert ihren Machtbereich zu erweitern. Die militärischen Angriffe waren eine Gefahr für die etablierten Mächte Zentraleuropas und des Mittelmeers und damit auch für die katholische Kirche. Der Kampf gegen die Türken wurde deshalb immer als weltanschaulich-politischer Kampf des Christentums gegen den Islam stigmatisiert. Um den christlichen Abwehrkampf zu unterstützen, versuchte die Kirche ihre Gläubigen mit den damals zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Ungläubigen zu mobilisieren [2]. Merkmale dieser Propaganda finden sich heute noch in Rheinland-Pfalz: das Türkenkreuz zu Beller, die Madonna vom Siege zu Kirchsahr, das ehemalige Gnadenbild zu Waldorf und die Türkenmadonna zu Ahrweiler [3].

Hintergrund dieser Anstrengungen war nicht nur das militärische Vordringen der Türken, sondern auch die Tatsache, dass das Osmanische Reich ein moderneres Sozialsystem vorweisen konnte, hinter dem das europäische Feudalsystem zurückstand. Die islamischen Herrscher besteuerten ihre Untertanen gerechter und agierten weniger willkürlich als ihre christlichen Konkurrenten. Vielfach unterwarfen sich deshalb christliche Bauern bereitwillig den neuen Herren oder wanderten in osmanisch beherrschte Gebiete ab [4]. Die christliche Agitation gegen die Osmanen prägte lange das Bild, das man sich im Westen von den Türken machte. In sogenannten »Türkenpredigten« geißelte man den Feind als mordlüstern und grausam. Ein Beispiel aus dem 16. Jahrhundert:

»Es gibt unter dem Himmel keine schimpflicheren, grausameren und frecheren Bösewichter als die Türken, welche kein Alter und Geschlecht schonen und ohne Barmherzigkeit Jünglinge und Greise niedermetzeln und die aus dem Schoß der Mütter noch unreife Frucht herausreißen« [5]

Erst nachdem die christlichen Heere seit dem 17. Jahrhundert endgültig die militärische Oberhoheit gewonnen hatten, verblasste das religiöse »Türkenbild«.

Die Siege der westlichen Allianzen, insbesondere auf dem Balkan, führten aber dazu, dass eine größere Anzahl an türkischen Personen nach Deutschland gelangte. Diese sogenannten »Beutetürken« waren nichts anderes als Kriegsgefangene und Zivilpersonen, die man mit Gewalt verschleppt hatte. Zahlreiche Fürsten schmückten sich aus Prestigegründen mit dieser »exotischen Beute«, um ihr Hofleben zu bereichern [6]. 

Mit ihnen fand aber auch ein kultureller Austausch statt, der sich vor allem im Kunsthandwerk, wie auch in der Architektur als »La Turquerie« niederschlug. Prächtigster Ausdruck dieses Stils war der Bau der »Moschee« im Park des Schwetzinger Schlosses.

Allerdings war diese Bewunderung der türkischen Kultur kaum mehr als eine romantische Schwärmerei für die Faszination des Orients. Eine wirklich tiefer gehende Auseinandersetzung mit der Türkei und seiner Bevölkerung fand nicht statt [7].

Landkarte mit eingetragenem Verlauf der Bagdadbahn

Karte der Bagdadbahn und geplanter Erweiterungen, Stand 1918. Quelle: Wikipedia

Erst unter der Regierungszeit des Deutschen Kaisers Wilhelm II. rückte das
Osmanische Reich erneut in den Fokus der deutschen Aufmerksamkeit. Es waren primär außenpolitische, strategische und wirtschaftliche Gründe, die die Türkei für Deutschland interessant machten. So arbeiteten Deutsche und Türken gemeinsam am Bau der legendären Bagdadbahn von Konya aus in die Provinzen des Osmanischen Reiches, um es wirtschaftlich zu erschließen, aber auch um strategisch wichtige, schnelle Truppenverschiebungen zu ermöglichen.