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„Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die im Hass auf Juden Ausdruck finden kann. Rhetorische und physische Manifestationen von Antisemitismus richten sich gegen jüdische oder nicht-jüdische Individuen und/oder ihr Eigentum, gegen Institutionen jüdischer Gemeinden und religiöse Einrichtungen.“  (International Holocaust Remembrance Alliance, 2016)


„Es ist nicht weniger als die größte Lüge der Bundesrepublik: der Glaube an eine tatsächliche Aufarbeitung der Vergangenheit,“ unterstreicht Samuel Salzborn, Antisemitismusbeauftragter des Landes Berlin in seinem Buch „Kollektive Unschuld. Die Abwehr der Shoah im deutschen Erinnern“.


"In allen Gesellschaftsschichten und allen Bildungsgruppen finden wir heute den Antisemitismus wieder", sagt Burgard. Die Hintergründe antisemitischer Tendenzen und Klischees seien sehr unterschiedlich. Holocaustleugner, die das NS-Regime verharmlosen und die Shoah bestreiten, seien immer noch präsent. Zugleich erleben wir Neonazi-Musik, Hitlergrüße, Schändungen von Synagogen sowie jüdischen Friedhöfen und das Wort 'Jude' - im Sinne eines Schimpfwortes - unter Jugendlichen auf Schulhöfen", betont der rheinland-pfälzische Antisemitismusbeauftragte.[3]


Ich bin damit aufgewachsen, dass vor den Synagogen Polizei stehen muss. Ich bin damit aufgewachsen, dass Kameras und hohe Zäune rund um jüdische Einrichtungen bis hinunter zum Kindergarten sein müssen. Heute bringe ich meine Kinder in die Schule, und wieder stehen Bewaffnete vor der Tür, weil es nicht anders geht.

Wollen wir das normal nennen? Ich weigere mich eigentlich, das als normal zu bezeichnen. Und der Anschlag von Halle war für mich der Moment, wo eigentlich klar war: Ich bin nicht mehr bereit, mich damit abzufinden, dass das so weitergeht. Das ist ein Zustand, Lebensumstände, für Juden in Deutschland, mit dem sich die Politik arrangiert hat, mit dem sich auch viele jüdische Gemeinden selber arrangiert haben. Auch unter uns Juden wird oft gesagt: Na ja, das ist der Zustand, den kennen wir nicht anders, so leben wir seit Jahrzehnten. Aber das ist falsch. Das ist etwas, gegen das man aufbegehren muss und das man nicht akzeptieren kann,“ sagt Ronen Steinke, Buchautor und Redakteur der Süddeutschen Zeitung im Interview mit dem Deutschlandfunk Kultur.

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„Antisemitische Gewalt geht mit edlen Begründungen einher. Der Antisemit - im Gegensatz zum plumpen Rassisten - begreift sich als jemand, der nicht nach unten tritt, sondern nach oben, gegen eine Gruppe, der er Macht zuschreibt. Das ist etwas, was dem Antisemiten ein besonders gutes Gewissen gibt, ein heroisches Gefühl. Das ist Kern der rechtsextremen Ideologie, dass die Übel der Gesellschaft, der Welt und der Politik bei Randgruppen abgeladen werden - aber es ist leider etwas, was auch für Linke immer wieder attraktiv ist: diese Vorstellung, dass es eine kleine Gruppe der Mächtigen da oben gibt. Denen kann man ein Gesicht geben. Das ist etwas, was die antisemitische Gewalt besonders gefährlich macht“, so Ronen Steinke im Interview mit dem NDR.