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Ramadanfeier im großen, generationsübergreifenden Kreis

Ramadanfeier. Quelle: SWR International

Auch religiösen Bedürfnissen stand man in jenen Jahren aufgeschlossen und tolerant gegenüber. Das lässt sich an den zahlreichen Ramadan-Feiern ablesen, die in Rheinland-Pfalz aber auch deutschlandweit in Gotteshäusern und kirchlichen Einrichtungen abgehalten wurden. Über die Ramadan-Feier im Kölner Dom am 3. Februar 1965 schrieb die Kölner Rundschau: »ein Tag, der Religionsgeschichte gemacht hat«. Heutzutage wären ähnliche Feiern kaum noch möglich [8]. Damals aber war »der Islam in seinen religiösen Inhalten wenig bekannt, aber auch nicht negativ belegt, sondern wurde eher als ein anderer Glaube an den einen Gott gesehen.« [9]

Diese vorgelebte Toleranz war jedoch nicht auf allen Ebenen spürbar. Zur selben Zeit verweigerten Kölner Lokale den fast 2.000 in der Domstadt lebenden Türken durch diskriminierende Hinweise den Zutritt: »Wegen Schwierigkeiten mit ausländischen Gästen für Türken Lokalverbot« [10].   

Die wachsende Präsenz der italienischen, spanischen und vor allem türkischen Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter wurde in der Öffentlichkeit als Ärgernis angesehen. Man störte sich etwa an ihrer Anwesenheit an den Bahnhöfen, die aufgrund des fehlenden Platzes in den Arbeiter-Unterkünften am Abend und am Wochenende zum zentralen Treffpunkt wurden [11].

»Heimwehstörungen«: starke Häufung von Kopfschmerz, Gewichtsverlust, Appetitmangel, Kräfteverfall (...)

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Türkischer Vater mit Tochter auf der Straße, dahinter steht an der Wand »Türken raus« gesprüht

Offensichtliche Realität zu Beginn der 1990er Jahren. Quelle: SWR International

»Die Situation war unbeschreiblich. Die Brandanschläge von Mölln und Solingen, die Bilder in den Zeitungen, das ging an keinem Ausländer spurlos vorbei. Ich dachte: ,Ist das denn möglich? Kommen jetzt die Nazis und ihre Politik wieder zurück?‘ Und jeden Morgen musste ich auf dem Weg zur Arbeit an einer Mauer vorbei, auf der »Türken raus« stand. Bald hätte ich es gemacht, bald wäre ich freiwillig gegangen auch, weil mein Vater mich am Telefon immer anflehte: ‚Komm doch zurück, bevor dir etwas passiert.‘« [17]

Diese Vorfälle sorgten dafür, dass es noch lange dauern sollte, bis sich das Verhältnis zwischen Deutschen und Türkinnen und Türken wieder normalisieren sollte, »… denn wer wollte schon in einem Land leben, in dem Landsleute starben.« [18]