Das kirchliche Drängen nach einer Radiosendung für Ausländerinnen und Ausländer hatte auch politische Hintergründe in Zeiten des Kalten Krieges. Denn bevor der westdeutsche Gastarbeiterfunk auf Sendung ging, warben Radiostationen des Ostblocks um die ausländischen Arbeitsmigranten zwischen Rhein und Elbe, Bodensee und Weser. Aus dem kommunistischen Machtbereich waren „Radio Prag“, „Radio Budapest“, „Radio Warschau“ für Italiener und Spanier und der DDR Sender „Unser Radio“ für Türken täglich zu empfangen. (3)
Ein italienischer Gastarbeiter: „Wir hören fast jeden Abend die Sendungen von Radio Köln, Prag und London, aber wir wissen nicht, wo die Wahrheit liegt. Jede Station bringt die Nachrichten in einer anderen Art”. (4)
Die Radiosendungen aus dem Osten waren unter den Migranten sehr beliebt. Neben ideologisch gefärbten Nachrichten zeichneten sie sich vor allem durch ein Unterhaltungsprogramm aus, das großen Anklang fand. Das Erfolgsrezept war viel Musik und die Möglichkeit, Grußkarten im Radio verlesen zu lassen. Ihre subtile Einflussnahme zeigte sich aber während des Baus der Berliner Mauer im August 1961, als vereinzelt Italiener ihren Arbeitsplatz in Richtung Heimat verließen. Zuvor hatte Radio Prag gemeldet, dass im Zuge der Krise mit einer baldigen Schließung der Grenzen zu rechnen sei. (5)
Um dieser politischen Beeinflussung im Radio etwas entgegenzusetzen, drängten die Verantwortlichen aus Industrie, Kirche und Politik, sowie die Regierungen der Heimatstaaten der Gastarbeiter darauf, der kommunistischen Bedrohung mit einem eigenständigen Programm zu begegnen. Damit bekamen die Gastarbeiter eine demokratisch geprägte und vor allem aktuelle Informationsquelle, denn die heimatsprachlichen Tageszeitungen erreichten die hiesigen Zeitungskioske an den Bahnhöfen nur mit zweitägiger Verspätung. Allerdings sollte es noch dauern bis das einst dünne Programm eine Aufwertung erfuhr. Erst drei Jahre später, ab dem 1.November 1964, beschlossen die neun Landesrundfunkanstalten der ARD gemeinsam ein allabendliches Ausländerprogramm im Hörfunk auszustrahlen. Ab diesem Zeitpunkt konnten Italiener, Griechen und Spanier (vom Bayerischen Rundfunk in München) sowie Türken (vom WDR in Köln) einer je 45-minütigen Sendung in ihrer Heimatsprache lauschen.