Joseppina Piras reiste mit dem Schiff und der Bahn nach Höhr-Grenzhausen. In ihrem Koffer befanden sich einige Decken, da ihr Mann sie bereits vor der Kälte im Westerwald gewarnt hatte. Außerdem führte sie einen besonders eleganten, italienischen Mantel mit sich, um den sie später, so sagt sie, alle Kolleginnen beneideten. Auch eine Espressomaschine durfte nicht fehlen. Die einzigen Schuhe, die Frau Piras besaß, waren modische weiße Absatzschuhe, mit denen sie durch Kälte und Schnee laufen musste. Dementsprechend war ihr erster Eindruck in der neuen Heimat von unglaublicher Kälte geprägt, die für sie ungewohnt war. Noch heute erinnert sie sich gut an den Winter von 1963, als ihr zweiter Sohn geboren wurde, denn in diesem Winter fror der Rhein zu.
Genau wie ihr Ehemann fand Joseppina Piras Arbeit bei der Firma Steuler, wo sie als Hausmeisterin tätig war. Von ihren deutschen KollegInnen wurde sie sehr gut aufgenommen. Diese waren es auch, die ihr halfen, die deutsche Sprache zu lernen. Die Familie Piras wohnte zunächst in einer Unterkunft der Firma Steuler. Sie mieteten dort zwei Zimmer, die 92 DM im Monat kosteten. Aber Joseppina Piras wünschte sich sehnlich eine eigene Wohnung. Eines Tages suchte sie ihren Vorgesetzten unangekündigt in seinem Büro auf. Dies war sehr ungewöhnlich, da sie sich eigentlich bei der Sekretärin hätte anmelden müssen. Ohne Umschweife äußerte Frau Piras den Wunsch, eine eigene Wohnung zu beziehen. Herr Steuler versprach, ihr eine Wohnung zu besorgen, was er auch sofort in die Tat umsetzte. Vier Wochen später konnte die Familie in eine schöne Wohnung einziehen.
Auch die Freizeit der Familie war mit Arbeit ausgefüllt. Das Ehepaar kümmerte sich um den Tennisplatz der Familie Steuler. Joseppina Piras war dort als Köchin tätig. „Die Leute wollten meist Pizza und Spaghetti,“ erinnert sie sich.
Für Frau Piras war sehr schnell klar, dass sie für immer in Deutschland bleiben will. In Höhr-Grenzhausen hat sie eine neue Heimat gefunden.
Interview geführt am 19. November 2009 in Höhr-Grenzhausen durch A. Girnstein, J. Nicolaides, C. Niesen.