
Balladen

Manolis Anagnostakis
Balladen
Griechisch – Deutsch
Übertragen von Niki Eideneier
288 Seiten
ISBN 3-923728-34-4
Euro (D) 15,24
Romiosini Verlag 1987
Inhalt
Die lange, erzählerische Form vieler Gedichte von Anagnostakis, sowie ihr kritischer, politischer Inhalt im Sinne Brechts gaben der deutschen Ausgabe den Titel »Balladen«, nicht zuletzt auch in Anlehnung an die Vertonung einiger Gedichte von Anagnostakis durch Mikis Theodorakis, Lieder, die sicherlich dem deutschen Publikum ein Begriff geworden sind.
»Balladen« bringt Lyrik mit der Wehmut des Epos und dem Schmerz der Realität aus der Nachkriegszeit in Griechenland bis hin zur Junta-Herrschaft in den 1970er Jahren zum Ausdruck. In freiem Vers, ironisch und melancholisch wirkt Anagnostakis dem Bewusstsein einer verlorenen Generation entgegen.
Manolis Anagnostakis, geboren 1925 in Thessaloniki, studierte Medizin zunächst an der Universität Thessaloniki und später in Wien, wo er die Fachausbildung für Radiologie abschloss. Anschließend arbeitete er als Arzt in seiner Heimatstadt und seit 1978 in Athen. Als junger Student war er während der deutschen Besetzung im Widerstand aktiv und kam 1943 ins Gefängnis. Während des griechischen Bürgerkriegs wurde er 1948 wegen politischer Betätigung in der Studentenbewegung erneut inhaftiert und 1949 zum Tode verurteilt. 1951 wurde er im Zuge einer allgemeinen Amnestie begnadigt und aus dem Gefängnis entlassen.
Neben Gedichten und Essays publizierte Anagnostakis literaturkritische Beiträge und wirkte zwischen 1944 und 1973 als Herausgeber und Redakteur in verschiedenen Zeitschriften (»Piräotische Literatur«, »Neuer Start«, »Kritik«, »Fortsetzung«), wie auch als Mitherausgeber der Bände »Achtzehn Texte« (1970), »Neue Texte« (1971) und »Neue Texte II« (1971)*, die nach der Aufhebung der Vorzensur während der Militärdiktatur in Griechenland in eigener Verantwortung der Herausgeber erschienen.
1986 erhielt Anagnostakis den 1. griechischen Staatspreis für Dichtung. Als Mitglied der Eurokommunistischen Partei Griechenlands K.K.E. (esoterikou) kandidierte er bei den griechischen Parlamentswahlen 1981 und 1984 zum Abgeordneten, wie auch bei der Wahl zum Europaparlament 1984.
2005 wurde der Dichter 80 Jahre alt, wie auch Mikis Theodorakis, der u. a. seinerzeit einige der schönsten Gedichte unter dem sehr bezeichnenden Titel »Balladen« vertont hatte. Unter demselben Titel erschienen zweisprachig, griechisch und deutsch, seine Gedichte 1941–1971 und Das Ziel 1983 (Romiosini 1987). Er wurde 1986 mit dem griechischen Staatspreis für Dichtung geehrt und 1997 zum Dr. h. c. der Universität Thessaloniki ernannt. Im Jahre 2000 wurde er von der Athener Akademie für sein Gesamtwerk prämiert. Anagnostakis wurde mit den Jahren leiser. Bis zu seinem Tod am 22. Juni 2005, schwieg er fast. Denn, wie er ehemals sagte:
»Wie Nägel müssen die Worte eindringen. Ich habe bald verstanden, dass Tun und Schweigen genauso wirksame Ausdrucksmittel sind.«
© Niki Eideneier

