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Portrait Silva Burrini
Startseite > Lebenswege > Silva Burrini

Silva Burrini erzählt

»Ich bin für die Menschen gekommen und geblieben«

»Mir war klar, ich muss zunächst für die Familie etwas tun, ich kann nicht an mich denken.« Bereits mit 14 Jahren fühlte sich Silva Burrini nach dem frühen Tod des Vaters für ihre Mutter und den sieben Jahre jüngeren Bruder verantwortlich. Ihre Träume, den kleinen Ort Vigo Rendena in der Provinz Trient in wenigen Jahren zu verlassen um ein Studium zu beginnen, schwanden dahin. Es musste Geld verdient werden, um die Familie zu unterstützen. Doch war das in der ländlichen Region der 1950er Jahre alles andere als einfach. Bis zum Jahr 1957, in dem ihr Leben eine unvorhergesehene Wende nahm:   

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Audio I Silva Burrini mit ihren eigenen Worten

Ohne Sprachkenntnisse reiste die damals 17-jährige in ein Land, das sie nur aus Berichten kannte. Trotz ihrer Zielstrebigkeit dauerte es seine Zeit, die neue Sprache zu lernen. Die wenigen Sozialkontakte, das aufflammende Heimweh und die Herausforderungen alltäglicher Kleinigkeiten waren hart für die kontaktfreudige junge Frau. Dennoch hielt Silva Burrini an ihrem Plan fest, erst einmal in Deutschland zu bleiben. Sie trat einer Jugendgruppe bei, in der sie damals die einzige Ausländerin war.

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Alter Pass von Silva Burrini


Ab 1963 arbeitete Silva Burrini für die Caritas.

Rasch wurden aus den geplanten sechs Monaten eineinhalb Jahre, bevor die junge Italienerin in ihre Heimat zurückkehrte. Doch sollte dies nur von kurzer Dauer sein.

Ein Onkel berichtete ihr von einer Freiburger Arztfamilie, die ein Kindermädchen suchte. Für Silva Burrini, die Kinder schon immer liebte, erschien dies als neue Möglichkeit, ihre Sprachkenntnisse zu vervollständigen. In den kommenden zwei Jahren lernte die engagierte Italienerin nicht nur die deutsche Sprache, sondern kam auch ihrer Berufung ein bedeutendes Stück näher: anderen Menschen zu helfen!

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Audio I Silva Burrini mit ihren eigenen Worten

Bereits nach kurzer Zeit war sie im »Centro Italiano«, der italienischen Gemeinde Ludwigshafen, für alle Sorgen und Nöte ihrer Landsleute die zentrale Anlaufstelle. Seit Begin ihrer Tätigkeit bei der Caritas lagen ihr immer wieder die Schicksale der Kinder am Herzen. Mit aller Konsequenz leistete sie Hilfestellung im Schulalltag der Kinder, deren Sprachkenntnisse meist aufgrund des italienisch sprechenden Elternhauses sehr schlecht waren.

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So kamen die meisten Kinder nicht aus den so genannten Vorbereitungsklassen heraus, die innerhalb der Grundschule die Sprachkenntnisse für weiterführende Schulen vermitteln sollten. Mit Hausaufgabenbetreuung, Kommunikation mit den Eltern und Behörden versuchte Burrini, den Integrationsprozess der nächsten Generation für eine förderliche Zukunft voranzutreiben.

Silva Burrini mit Kindern

Die Betreuung und Unterstützung von Kindern für ihre erfolgreiche Integration ist Silva Burrini seit jeher eine Herzensangelegenheit.

Silva Burrini auf Weihnachtsfeier mit italienischen Landsleuten

Weihnachtsfeiern für italienische Landsleute organisierte Silva Burrini in den 1960er Jahren.

Silva Burrini auf Weihnachtsfeier mit italienischen Landsleuten

Zugunsten der Menschen, die ihrer Hilfe bedurften, trat Silva Burrinis Privatleben jedoch gänzlich in den Hintergrund.

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Bis zu ihrem 65. Lebensjahr trug Silva Burrini im Auftrag der Caritas für das Wohlergehen italienischer Mitbürgerinnen und Mitbürger in Ludwigshafen bei. An Ruhestand denkt sie nicht. Seit 2005 unterstützt sie ehrenamtlich die Hausaufgabenbetreuung in Ludwigshafen-Hemshof. »Ich bin für die Menschen gekommen und geblieben«, sagt sie. Ihr soziales Engagement wurde im Jahr 2000 mit dem »Stella al Merito del Lavoro«, dem Orden zum Dank für die Förderung der Integration gewürdigt. 2001 folgte die Verleihung des Landesverdienstordens für soziale Dienste. Für ihren »herausragenden Einsatz zum Gemeinwohl« erhielt sie am 03. Dezember 2009 aus den Händen der Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Eva Lohse die »Bürgerschaftsmedaille«. Burrini habe »Pionierarbeit« geleitet, so Lohse, konkrete Hilfestellungen gegeben und Strukturen verändert. Als »Sprachrohr für Zuwanderer« habe sie auf Einladung der Bundeskanzlerin am nationalen Integrationsgipfel in Berlin teilgenommen.«

Wo nun, nach einem langen Lebensweg in Deutschland, ihre wahre Heimat ist, kann Silva Burrini nicht mit Bestimmtheit beantworten. »Meine Wurzeln sind in Italien, doch wenn ich in Italien bin, vermisse ich Ludwigshafen und die Menschen, die mir am Herzen liegen.«