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Ich Italiener, morgen andere Baustelle

Buchtitel »Ich Italiener, morgen andere Baustelle«


Gaetano Cassisi
Ich Italiener, morgen andere Baustelle
Der lange Weg eines Emigranten nach Deutschland

230 Seiten
gebunden mit Schutzumschlag
Format 14,5 x 22 cm
mit zahlreichen Fotos und einem Nachwort von Claudio Cicotti
ISBN: 978-3-938823-43-9
19,90€ (D)  

 

 

Inhalt

Nachdem seine Brüder nach Deutschland ausgewandert sind, muss der junge Tano gegen seinen Willen die Schule verlassen, um dem Vater zu helfen. Eine Entscheidung, die er nicht einfach hinnimmt. Auch er hofft auf ein besseres Leben in Deutschland. Fünfzehnjährig kommt er ins Saarland und findet sich dort in einer Welt wieder, die so ganz anders ist, als er sie sich vorgestellt hat. Schnell macht er mit der Härte der Arbeit, aber auch den Menschen Bekanntschaft.

Die Enttäuschungen und Erniedrigungen der ersten Jahre bringen ihn nahe daran, nach Italien zurückzukehren. Doch er erkennt auch, dass nicht alle Deutschen den Italienern negativ gegenüberstehen.

Nach mehrfachem Wechsel der Arbeitsstelle findet er eine Anstellung bei der BAYER AG. In Köln verbessert er seine Sprachkenntnisse, besucht schließlich eine Lehrerbildungsanstalt und erlangt das Lehrbefähigungsdiplom.

Im selben Jahr heiratet er eine Saarländerin und kehrt in deren Heimat zurück. Mit der Einstellung beim italienischen Konsulat beginnt eine neue Karriere als Lehrer für den italienischen muttersprachlichen Unterricht an deutschen Schulen.

In seinem Buch erzählt Cassisi seine eigene Geschichte, die er aus der Perspektive des Protagonisten Tano erzählt.

„Ich Italiener, morgen andere Baustelle“ wurde 2007 in Italien mit dem zweiten Literaturpreis beim “Concorso Letterario Maria Messina” ausgezeichnet.

Autor

Gaetano Cassisi, geboren 1946 in Licata (Sizilien), kam 1962 nach Deutschland. Seine Lebensmittelpunkte sind heute Deutschland als auch Italien.

Leseprobe

Tano war das jüngste von sechs Kindern – fünf Brüder und eine Schwester -, und als im Jahr 1958 die zwei älteren Brüder und zwei Jahre später die beiden anderen nach Deutschland ausgewandert waren, war er allein mit seinen Eltern und seiner Schwester in Licata geblieben. Er ging gern in die Schule, aber nach der Auswanderung der älteren Brüder hatte er sie verlassen müssen, um dem Vater bei der Feldarbeit zu helfen.
Doch die Arbeit war vergebens. Nicht weil das Land wenig hervorbrachte, sondern weil man die Produkte nicht oder nur zu Spottpreisen verkaufen konnte.
Oft rentierte es sich gar nicht, die Feldfrüchte zu ernten, und man verzichtete ganz darauf.
Tano sah in diesem Land keine Entwicklungsaussichten, denn alle Anstrengungen waren umsonst. Es handelte sich um ein allgemeines Problem, das viele Tausende junger Leute dazu getrieben hatte, in Norditalien oder im Ausland einen Ausweg zu suchen. Am Anfang wanderten sie illegal aus, aber nach und nach kamen die ersten Arbeitsverträge vom Ausland an.
Wer ohne Ausreisepapiere ans Ziel zu kommen versuchte, schaffte es nicht immer. Manche wurden an der Grenze entdeckt oder abgefangen und wieder zurückgeschickt. Einige Tage später waren sie wieder in der Stadt und alles fing wieder von vorne an.
Wer es dennoch schaffte, im Ausland anzukommen und dort Arbeit zu finden, ebnete nach und nach Freunden und Verwandten den Weg. Das heißt, er wurde ein Anlaufpunkt für diejenigen, die auswandern wollten.

(...) Tano hatte einen gestempelten und vom Polizeikommissar von Licata unterschriebenen Ausweis bei sich, der ihm gestattete, zu seinen Brüdern nach Deutschland zu fahren. Davon ausgehend, was er von denjenigen gehört hatte, die schon dort gewesen waren, schien dort alles besser zu sein.
Natürlich war das Leben im Ausland, getrennt von der Familie, nicht einfach. Es war auch klar, dass man hart arbeiten musste, aber am Ende des Monats hatte man wenigstens die Genugtuung, einen Lohn dafür zu bekommen, der das Ganze erträglicher machte. Außerdem konnte man samstagabends und an Feiertagen sogar tanzen gehen. Seltsamerweise hüteten sich die meisten, von den unangenehmen Dingen im Ausland zu erzählen. Keiner erwähnte die Opfer, das Leiden, die Einsamkeit oder die Demütigungen, die zum Leben der Migranten gehörten. Trotzdem, auch wenn diese Erzählungen Tano veranlasst hatten, von den Möglichkeiten zu träumen, die ein Junge hatte, sich in einem fremden Land zu verwirklichen: Sein Beharren, unbedingt mit seinen Brüdern fahren zu wollen, rührte auch von einem anderen Grund her.