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Fotografien 1967 bis 2007

Erika Sulzer-Kleinemeier

Buchtitel »Fotografien 1967 bis 2007«

Erika Sulzer-Kleinemeier
Fotografien 1967 bis 2007
Bildarchiv

Erschienen: 2007
Broschur, Fadenheftung,
204 Seiten,
ISBN: 978-3-86600-011-7
Euro (D) 28,00

Stroemfeld Verlag

Eine Frage der Einstellung

Erika Sulzer-Kleinemeier ist Bildjournalistin, nicht Fotografin…. Man könnte von dokumentarischer Fotografie sprechen, doch es mangelt den Bildern von Sulzer-Kleinemeier an der distanzierten Objektivität, die man oft mit dem Dokumentarismus verbindet. Ihr engagierter Blick selektiert bewusst und richtet sich auf das, was buchstäblich in den Fokus unserer Aufmerksamkeit rücken soll. Viele ihrer Arbeiten reflektieren das Medium Fotografie, indem sie dessen Repräsentationsmechanismen in die Aufnahme integrieren. Auch der Hinweis auf politische Rhetoriken der Selbstdarstellung fließt in ihre Bildästhetik oft mit ein.

In ihrem umfangreichen Fotoarchiv finden sich einerseits wichtige historische Ereignisse. Politiker aller Parteien sind in entscheidenden Momenten politischer Willensbildung abgelichtet, als Redner oder am Rande von Parteitagen. Andererseits richtet sich ihr Blick aber auch auf alltägliche Begebenheiten, die zum Spiegel gesellschaftlicher Befindlichkeiten werden. Prominente stehen deshalb neben unbekannten Vertretern der Gesamtformation Gesellschaft. Auch Formen des Protestes, die von sich aus bildwirksame Ereignisse inszenieren, um mediale Aufmerksamkeit zu erlangen, sind ein zentrales Thema.

[…] Dass viele soziale oder gesellschaftliche Probleme nach wie vor ungelöst sind, machen diese Fotos sichtbar. Demonstrationen zum Beispiel ziehen sich durch die jüngere deutsche Nachkriegsgeschichte wie ein roter Faden. Ob Friedensdemonstrationen, gewerkschaftlich oder studentisch organisierter Protest, die Formen ähneln sich, wenngleich die Ziele andere sind. Dennoch geht es nicht einfach nur darum, eine Ikonografie des Alltags oder der Geste des Protestes auf die Spur zu kommen. Hinter dem Allgemeinen strahlt stets das Besondere durch.

Dass hinter jeder Fotografie die Geschichte ihrer Entstehung steht, wird in den begleitenden Titeln deutlich, die Anekdotisches über die Entstehung der Aufnahme mit sachlicher Information zu dem abgebildeten Ereignis verbinden. […]

Erika Sulzer-Kleinemeier hat für Magazine wie »Spiegel« oder »Stern« gearbeitet, für Wochenzeitungen wie »Die Zeit« und internationale Zeitschriften wie »Daily Telegraph«. Heute werden Aufnahmen von ihr abgedruckt, wenn es darum geht, historische Ereignisse zu illustrieren. Dass ihre Fotografien parallel verstärkt in Kunstkontexten ausgestellt werden, liegt an der Perspektive, die dieser institutionelle Raum bietet. Hier treten ihre Sujets und ihr engagierter Blick, losgelöst von rahmenden Texten und Kommentaren, verstärkt in den Vordergrund, korrespondiert diesen doch eine gegenwärtige Tendenz der bildenden Kunst, sich engagiert in gesellschaftliche Zusammenhänge einzubringen.

»… Als engagierte Bildjournalistin hat Erika Sulzer-Kleinemeier immer dann auf den Auslöser gedrückt, wenn es darum ging, Momente festzuhalten, die uns von der Bildwerdung der Wirklichkeit erzählen. Fotografie, so der französische Philosoph Roland Barthes, stehe schließlich für das ›so ist es gewesen‹. Das meint keine unbedingte Authentizität des Bildes, sondern eine Art der Zeugenschaft. Etwas zeitlich Fernes rückt in seiner reproduzierten Vergegenwärtigung in unsere Gegenwart. Eine Vergangenheit scheint auf paradoxe Weise präsent.« (Vanessa Joan Müller, Direktorin des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen in Düsseldorf 2007)